Mein Sonntag ...

Ich schlage die Augen auf. Sonnenstrahlen kitzeln meine Nase. Schööön… Gleich danach die Ernüchterung: Unten wartet ein Schlachtfeld! Fast 40 Gäste hatten wir gestern Abend. So ein Fest macht Spaß – hinterlässt aber auch seine Spuren: Unmengen dreckiges Geschirr, versiffte Fußböden und eine ziemliche Unordnung. Eine Stunde später räumen wir den Frühstückstisch ab. Die Kinder zischen ab in den Garten, mein Mann übernimmt die Küche, ich Klo und Wohnzimmer. Sonst vermeide ich es immer am Sonntag zu putzen. Heute muss es ein. Also versuche ich, das Positive darin zu sehen: Wir beginnen die neue Woche mit einem pikobello aufgeräumten und sauberen Haus. Auch nicht schlecht. Wenn wir bloß erst fertig wären! Nachmittags steht für meinen Mann und die Mädchen noch ein Besuch bei einer Freundin an. Geburtstagskaffee. Ich liege nach getaner Arbeit faul mit unserem Jüngsten auf der Couch. Irgendwann sagt er nichts mehr und hat aufgehört zu wühlen. Er hat die Augen geschlossen, atmet ganz gleichmäßig. Leise stehe ich auf. Geschenkte Zeit. Totale Stille im Haus. Ganz ungewohnt. Hm, was mache ich jetzt bloß? Sauber ist ja schon alles. Aber einfach so ungeplant rumsitzen, die Füße hochlegen, ein Buch lesen – nee, das kann ich nicht! Ganz automatisch zieht es mich in die Küche. Ich fange an, Salat zu waschen, schnibble Zucchini, Tomaten und Mozarella, wühle das Gefrierfach nach Fleischbeständen durch, bügle eine weiße Tischdecke, schneide im Garten ein paar Blumen ab, fülle den Trichter mit Grillkohle, quetsche Limetten für den Aperitif. Zwei Stunden später ist mein Sohn wach, und Papa und die Mädchen schließen laut lachend die Haustür auf – und staunen nicht schlecht. „Wir grillen!“, jubelt Smilla, und ich drücke meinem Mann lächelnd seinen Aperitif in die Hand: „Die Kohle ist schon durch. Du kannst Fleisch auflegen.“ Es ist der Beginn eines wunderschön entspannten, spontanen Grillabends. Und ich finde, den haben wir uns verdient!

Ulrike Berg
uberg(at)anderezeiten.de