Mein Sonntag ...

Augenblick1

Das Wasser ist warm, jedenfalls wärmer als die gar nicht laue Frühlingsluft. Dampf wabert über die Oberfläche und ich ziehe meine Bahnen. Nieselregen dröppelt auf meinen Kopf, und das ist schön, denn ich bin ja sowieso schon nass. Sonntagmorgen im Schwimmbad. Mit nur wenigen anderen teile ich das Becken. Erste Bahn, meine Gedanken rotieren drei Mal so schnell wie meine Arme. Jetzt hört mal auf, fauche ich sie an. Es ist Sonntag – ich will mich entspannen. 15 Sekunden geht das, dann bemerke ich, dass ich bereits die nächste Woche plane. Bei Bahn sieben habe ich einen Putzplan für die Wohnung aufgestellt und eine To-Do-Liste, die es vor dem nahenden Urlaub abzuarbeiten gilt. Immer verbissener pflüge ich durch die Wasser, zwar vergesse ich Zeit und Raum, aber nur deshalb, weil ich gedanklich bereits zwei Wochen voraus bin. Schluss jetzt! Entschieden drehe ich mich auf den Rücken. Rückenschwimmen kann ich nicht. Ich bin lahm wie ein verkehrtrummer Hund. Aber ich sehe in den Himmel. Wolken schauen auf mich herab, schwimmen mit, lösen sich auf und nehmen meine Gedanken mit. Warum so mutlos? Wir haben soviel Himmel über uns! Sagt Raoul Follereau. Plitsch. Platsch. Recht hat er.

Susanne Niemeyer

SNiemeyer(at)anderezeiten.de