Mein Sonntag ...
Wenn ich jetzt schreibe, es ist heiß, dann ist das wahrscheinlich langweilig. Alle klagen über die Hitze. Ich klage nicht. Ich freue mich. Ich aale mich im Sommer. Endlich nicht frieren, nicht mal nachts, weil selbst in unserer kühlen Altbauwohnung gestern Abend 29°C herrschten. Kleidung spielt eine untergeordnete Rolle, zumal an einem Sonntag, an dem kein Büro gewisse Regeln vorschreibt. Ich fühle mich in Kindertage zurückversetzt, als ich schon morgens im Bikini oder gänzlich nackt auf Omas Liege Platz nahm und bis spät abends im Planschbecken tollte. Eis war Grundnahrungsmittel, und was der Eismann täglich aus seinem Wagen herüberreichte, war noch lange nicht genug: Meine Mutter beschwerte sich stetig über das von eigenen Safteiskreationen überquellende Tiefkühlfach. Sorgen gab es nicht – welche auch? Ich befand mich schließlich im Paradies der großen sechswöchigen Freiheit. Jeder Tag ein Sonntag! Gestern Abend beschloss ich: Das geht auch noch mit meinen 38 Jahren. Zwar gibt mir niemand mehr sechs Wochen Sommerferien und dennoch: Das ist der Geist, in dem ich ab sofort leben werde. „Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder…“. Wo ist das Planschbecken?
Susanne Niemeyer
niemeyer(at)anderezeiten.de