Mein Sonntag ...
Allein das Anziehen dauert eine knappe halbe Stunde. Eisschollen auf der Elbe wollen wir gucken, bei minus 10 Grad und scharfem Ostwind. Wir versuchen es mit dem Zwiebelprinzip: Wie viele Schichten an Kleidung passen übereinander? Unser Sohn schafft fünf, plus zwei Schals. Mit dicken Cremeschichten im Gesicht wagen wir uns Richtung Wasser und werden belohnt. Das Bild des treibenden Eises fesselt uns, fremde Geräusche wehen von den aneinander mahlenden Schollen herüber. Lagen wir hier wirklich im Sommer am Strand und haben uns die Sonne auf den Bauch scheinen lassen? Ein Schiff bricht sich die Bahn, es hinterlässt eine knirschend-gurgelnde Fahrrinne. Satt sehen können wir uns nicht daran. Der Elbwanderweg ist zu vereist für die Kinderkarre, der Wind treibt uns die Tränen in die Augen und der Sohn klagt weinend „Kalt! Kalt!“. Wir müssen umkehren ins geschützte Haus, uns mit Kaffee und heißer Milch aufwärmen. Was bleibt, ist ein Bild im Kopf. Es heißt: „Schöpfung ganz anders“.
Iris Macke