Mein Sonntag ...
Klar war gestern Valentinstag. Aber vor allem doch: Karnevalssonntag. Große Sause vor der Fastenzeit auch bei uns in Hamburg-Altona. Und die Kirche: voll fromm-fröhlicher Pappnasenfans, kampferprobter Faschingskinder und sentimentaler Exil-Rheinländer. Wir haben geschunkelt, dass sich die Bänke bogen, gesungen, bis die Stimmbänder kollabierten. Und uns gewundert, wie gut die ollen Karnevalsschlager in den Gottesdienst passen. Auf das Kyrie – Herr erbarme dich – antworteten wir: „Wir sind alle arme Sünderlein, ´s war immer so, ´s war immer so.“ Und auf das Gloriagebet: „Wir kommen alle, alle, alle in den Himmel, weil wir so brav sind, weil wir so brav sind.“ Es gab einen „Zoch“ mit Fest(hand)wagen durch die Kirche, ein Meer aus Seifenblasen sank von der Kirchendecke herab, Predigt, Lesungen und Gebete – in Versen. Selten habe ich so viele gutgelaunte Gottesdienstbesucher auf einem Fleck erlebt. Und selten eine dermaßen passende Einladung zum Kirchencafe: „Drink doch ene met, stell dich nit esu ann, du stehst he die janze Zick eröm. Häss du och kei Jeld, dat is janz ejal, drink doch met unn kümmer disch net drömm.“ Darauf ein dreifaches: Ahoi, Ahoi, Ahoi!
Matthias Lemme