Mein Sonntag ...

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Gipfel-Treffen!

Da saßen sie wieder zusammen, die Regierungschefs und Finanzminister der Euro-Staaten. In Brüssel. Am Sonntag. Man liest das so oft: „Der Minister brach seinen Urlaub ab“ oder „Die Bundeskanzlerin opferte ihr Wochenende“. Politiker unterbrechen ihre Freizeit und kehren in ihre Büros zurück. Gerade in den Zeiten der Krise soll das die Menschen beruhigen und Handlungsfähigkeit demonstrieren. Seht her, wir sind allzeit bereit. Aber ist das wirklich eine gute Nachricht? Beruhigt es, wenn hart arbeitende Menschen auch noch den letzten Rest ihrer Freizeit opfern? Immer im Dienst, immer am Schreibtisch, immer online?

Mir bereitet diese Vorstellung eher Unbehagen. Ich weiß ja von mir selbst, wie nötig ich eine Auszeit brauche, wenn ich den ganzen Tag unterwegs war, vor dem Computer oder im Auto gesessen habe. Dann brauche ich Entspannung, spiele mit den Kindern, höre Musik oder besuche Freunde. Selbst Hausarbeiten wie Rasen mähen, Einkaufen oder von mir aus auch Fensterputzen sind eine Abwechslung. Man kann abschalten, die Arbeit hinter sich lassen. Und am Sonntag kann man auch mal ausschlafen. Ausruhen. Jeder braucht das. Selbst Gott. In der Bibel heißt es: „Gott segnete den siebenten Tag und heiligte ihn, weil er an ihm ruhte von allen seinen Werken.“

Ja, es klingt naiv – aber ich wünschte mir, die Bundeskanzlerin würde am Wochenende Schwimmen gehen, der französische Präsident sollte sich um sein neugeborenes Töchterchen kümmern, der Zentralbankpräsident sollte ein gutes Buch lesen. Sie könnten einen schönen Gottesdienst besuchen … oder gingen in den Bergen wandern: Das wäre ein sonntagsgemäßes Gipfel-Treffen! Dann könnten sie an einem Montag wie heute mit neuem Schwung und gut erholt die Wirtschaft und die Welt retten. Wer ständig im Job ist und dauernd sein Wochenende opfert, der macht mir eher Angst. Ständig durcharbeiten können nur Maschinen. Menschen aber brauchen Erholung.

Thomas Kärst

Foto: www.pixelio.de/GabiS