Mein Sonntag ...

Gestern bin ich einfach ausgestiegen. Oder eher eingestiegen, nämlich in den nächsten Zug. Weil das Leben, so dachte ich, sich doch nicht nur zwischen Wäsche und Käsekuchen abspielen kann, und schon gar nicht an einem Sonntag. Ich will mehr sehen. Beziehungsweise Meer sehen. Der Zug ging um 12.10 und trug mich durch fast schon blühende Rapsfelder und froschgrüne Wiesen, die Sonne schien auf meinen Kopf. Eine Stunde zwanzig später Endstation: Ostsee. Sommerfrische, die Möwen flattern, die Wellen klatschen, Strandkörbe leuchten heiter in rot-weiß. Und ich mittendrin. Auf der Promenade promeniere ich, schlecke ein Eis und lege mich schließlich in eine Sandkuhle zum Schäfchenwolkenzählen. Größer wird die Welt, ein paar hundert Möglichkeiten purzeln vom Himmel. „Der Wolken, Luft und Winden gibt Wege, Lauf und Bahn, der wird auch Wege finden, da dein Fuß gehen kann“, summt mein Kopf. Eben, denke ich schläfrig, geht doch!

Susanne Niemeyer
sniemeyer(at)anderezeiten.de